Uni Oldenburg fordert kritischeren Blick auf Ostfrieslands Teekultur
Forschende der Universität Oldenburg verlangen mehr Transparenz über Kolonialgeschichte und Produktionsbedingungen von Tee.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Oldenburg fordern einen kritischeren öffentlichen Umgang mit der ostfriesischen Teekultur. In einem offenen Brief an Akteure aus Wirtschaft, Politik, Kirchen sowie Bildungs- und Kultureinrichtungen in Ostfriesland verweisen sie auf die koloniale Geschichte des Tees und auf Gewalt und Zerstörung in Anbaugebieten.
Die Unterzeichner kritisieren, dass Tee in der Region oft vor allem als Tradition gefeiert werde. Trinkrekorde und die Darstellung des Teetrinkens als „Ostfriesenrecht“ rückten nach ihrer Auffassung die Folgen des Teeanbaus und -handels in den Hintergrund.
Forderung nach Transparenz
Die Forschenden hatten sich nach eigenen Angaben in einem Seminar mit Verbindungen von Kirche, Kolonialismus und Versklavung in den Niederlanden und Norddeutschland befasst. Sie verlangen, die Geschichte des Produkts sichtbarer zu machen. Zudem solle der Konsum von fair und nachhaltig produzierten Waren stärker gefördert werden.
Einige ostfriesische Städte tragen zwar Siegel für fairen Handel. Die Wissenschaftler sehen dennoch Defizite bei der Förderung gerechter und nachhaltiger Produktions- und Handelsstrukturen.
Museen greifen Thema auf
Das Teemuseum in Leer teilte mit, dass es regelmäßig Fragen zur kolonialen Geschichte des Tees gebe und diese beantwortet würden. Das Ostfriesische Teemuseum in Norden hatte bereits Ausstellungsteile zum Kolonialismus gezeigt. Diese sollen künftig in eine neue Dauerausstellung einfließen.
Rico Mecklenburg, Präsident der Ostfriesischen Landschaft, wies die Vorwürfe zurück und verwies auf ein großes Freilufttheater in Emden über Sklaverei. Zugleich erklärte er sich zu einem Gespräch mit den Forschenden bereit. Landschaftsdirektor Matthias Stenger betonte, ostfriesische Teehersteller führten auch fair gehandelten Tee. Viele Kundinnen und Kunden griffen jedoch zum günstigeren Angebot.
Orte
Originalquelle
NDR NiedersachsenKommentare
Ihre Meinung zu diesem Artikel. Beiträge erscheinen sofort; die Redaktion liest mit und entfernt, was gegen Recht oder Anstand verstößt.