Seit 1975 im Einsatz: Rettungsschwimmer prägt den Strand von Binz
Holger Weiske beaufsichtigt seit rund fünf Jahrzehnten den Ostseestrand von Binz. Der 70-Jährige erlebte dort Todesfälle, die DDR-Grenze und einen Wal.
Seit 1975 wacht Holger Weiske als Rettungsschwimmer über den Ostseestrand von Binz auf Rügen. Auch mit 70 Jahren übernimmt der pensionierte Lehrer weiterhin Dienste für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Er ist jährlich in der Vor- und Nachsaison im Einsatz. Zu seinem 50-jährigen Jubiläum würdigten ihn die Gemeinde sowie Kolleginnen und Kollegen.
In all den Jahren erlebte Weiske nicht nur erfolgreiche Rettungseinsätze. Mehrfach kam für Menschen jede Hilfe zu spät. Sein wichtigster Grundsatz sei deshalb, das Wasser nie aus den Augen zu lassen.
Wal am Rettungsboot
Zu den besonderen Erinnerungen zählt die Begegnung mit einem Wal im August 1978. Das „Ossi“ genannte Tier hielt sich zwei Tage vor der Küste auf. Weiske beobachtete, wie der Wal aus dem Wasser sprang, unter seinem Rettungsboot hindurchtauchte und unmittelbar neben dem Boot ausblies.
Grenze am Badestrand
Während der DDR-Zeit begann hinter der Badezone das überwachte Grenzgebiet. Nach Weiskes Schilderung nahm ein Küstenschutzboot Menschen ins Visier, die sich diesem Bereich näherten. Private Boote und sogar Luftmatratzen waren auf der Ostsee vor Binz untersagt, weil die Behörden Fluchtversuche verhindern wollten.
Auch die Technik der Wasserrettung war eingeschränkt. Die damaligen Rettungsboote durften laut Weiske höchstens 7,5 PS haben. Heute sind bis zu 60 PS erlaubt. Nach der deutschen Einheit verschwand nicht nur die Grenze, auch die Ausrüstung wurde leistungsfähiger.
Neue Risiken am Wasser
Verändert habe sich nach seiner Beobachtung zudem das Verhalten mancher Badegäste. Regeln würden häufiger missachtet, Gefahren für Erwachsene und Kinder teils unterschätzt. Weiske setzt in solchen Situationen nach eigenen Angaben auf Geduld und Überzeugungsarbeit.
Originalquelle
Nordsee-ZeitungKommentare
Ihre Meinung zu diesem Artikel. Beiträge erscheinen sofort; die Redaktion liest mit und entfernt, was gegen Recht oder Anstand verstößt.