Pro Bahn warnt vor Folgen des Alpha-E-Ausbaus für Bremen
Der Fahrgastverband lehnt den Ausbauvorschlag für die Strecke Hamburg–Hannover ab. Er befürchtet jahrelange Einschränkungen bis nach Bremen.
Der Fahrgastverband Pro Bahn hat die Studie „Alpha-E-VR“ zum Ausbau der Bahnstrecke Hamburg–Hannover scharf kritisiert. Der Verband hält den darin vorgeschlagenen Ausbau der bestehenden Verbindung über Lüneburg, Uelzen und Celle nicht für eine gleichwertige Alternative zu einer Neubaustrecke. Er fordert den Bundestag auf, die von der Deutschen Bahn bevorzugte Neubauvariante zu beschließen.
Die Studie war von der Gemeinde Seevetal, der Samtgemeinde Hanstedt und dem Landkreis Harburg in Auftrag gegeben worden. Sie stellt den Ausbau im bestehenden Korridor als deutlich günstigere Lösung dar. Pro Bahn bezweifelt sowohl die Kapazitätsberechnungen als auch den Kostenvergleich.
Streit um Berechnungen
Nach Darstellung des Verbandes beruhen die genannten Kapazitätswerte auf Berechnungen für einen viergleisigen Ausbau. Im Konzept vorgesehen sei jedoch im Kern eine dreigleisige Lösung. Eine Untersuchung von DB Netz aus dem Jahr 2019 habe diese Variante als nicht ausreichend belastbar bewertet.
Pro Bahn kritisiert zudem unterschiedliche Maßstäbe bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung. Bei der Neubaustrecke seien Risikozuschläge berücksichtigt worden, beim Ausbauvorschlag dagegen nicht. Der Verband verlangt deshalb, die Nutzen-Kosten-Verhältnisse aller elf untersuchten Projektbündel auf einer einheitlichen Grundlage zu veröffentlichen.
Auswirkungen bis Bremen
Bei einem langjährigen Ausbau der Bestandsstrecke rechnet Pro Bahn mit Umleitungen von Güter- und Fernzügen über Bremen. Dadurch könnten nach Einschätzung des Verbandes zusätzliche Engpässe zwischen Hamburg, Bremen und Hannover entstehen. Gefährdet seien dann auch der geplante Halbstundentakt zwischen Bremen und Hannover sowie dichtere Verbindungen zwischen Rotenburg und Bremen. Hinzu kämen Güterzüge aus Wilhelmshaven, die teilweise über Bremen weiterfahren.
Auch den angegebenen Zeitrahmen von jeweils drei Jahren für Planung und Bau einzelner Module hält der Verband für unrealistisch. Als Vergleich nennt er das dritte Gleis zwischen Stelle und Lüneburg, dessen Umsetzung 13 Jahre gedauert habe.
Sofortmaßnahmen gefordert
Unabhängig vom Streit über Neu- oder Ausbau fordert Pro Bahn kurzfristige Arbeiten an der vorhandenen Strecke. Dazu zählt der Verband zusätzliche Gleisverbindungen, Änderungen an Gleisplänen und Lärmschutzwände. Das dafür vorgesehene Paket im Umfang von rund 250 Millionen Euro solle sofort umgesetzt werden.
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