Taucher bergen Geisternetze aus Wrack vor Langeoog

In 20 Metern Tiefe haben Freiwillige mehrere Netzreste von einem gesunkenen Frachter gelöst. Die Bergung in der Nordsee ist riskant und nur bei schwacher Strömung möglich.

Panorama 16. September 2026, 10:03 Uhr 1 Min. Lesezeit 1 Aufrufe KI-generiert nicht redaktionell geprüft

Ehrenamtliche Taucher haben mehrere Reste verlorener Fischernetze aus dem Wrack eines Frachters vor Langeoog geborgen. Die sogenannten Geisternetze hatten sich an der „Tanar“ festgesetzt. Das mehr als 100 Meter lange Schiff sank 1959 nach einer Kollision im Nebel rund sieben Kilometer vor der Insel.

Die 16 Taucherinnen und Taucher des Vereins Ghost Diving Germany lösten die Netze in etwa 20 Metern Tiefe. Hebesäcke brachten die abgeschnittenen Stücke an die Oberfläche. Helfer holten sie auf einen Kutter und befreiten Krebse, Seesterne und Muscheln aus dem Material. Die Netze sollen an Land recycelt werden.

Gefahr unter Wasser

Geisternetze sind verloren gegangene Fanggeräte. Sie treiben im Meer, sinken auf den Grund oder bleiben an Wracks hängen. Fische, Robben und Krebse können sich darin verfangen. Da die Netze meist aus Kunststoff bestehen, zerfallen sie mit der Zeit zu Mikroplastik, das in die Nahrungskette gelangen kann.

Wie viele Netze sich in den Meeren befinden, ist nicht genau bekannt. Nach einer Schätzung des Umweltverbands WWF gehen allein in europäischen Gewässern jährlich 1.700 bis 3.000 Tonnen Fanggeräte verloren. Der Verein verweist auf Studien, nach denen etwa sieben Prozent aller Netze verloren gehen. Der WWF geht davon aus, dass weltweit bis zu 20 Prozent der Fanggeräte im Meer zurückbleiben.

Nur eine Stunde Zeit

Die Bergung vor Langeoog war für die erfahrenen Taucher anspruchsvoll. Unter Wasser betrug die Sicht nur etwas mehr als einen Meter. Hinzu kamen Wellengang, Strömung und Verletzungsgefahren am alten Wrack. Für die Arbeiten blieb während des Gezeitenwechsels ein Zeitfenster von ungefähr einer Stunde, in dem die Strömung am schwächsten war.

Voruntersuchungen waren wegen schlechten Wetters ausgefallen. Erst vor Ort bestimmte die Mannschaft die genaue Position des Wracks mit einem Sonar. Einige Netzteile waren bereits tief in den Meeresboden eingesunken und ließen sich nur mit großem Aufwand lösen.

Teilen

Kommentare

Ihre Meinung zu diesem Artikel. Beiträge erscheinen sofort; die Redaktion liest mit und entfernt, was gegen Recht oder Anstand verstößt.

Den ersten Kommentar schreiben

Mit dem Absenden werden Name, Kommentar und Zeitpunkt öffentlich angezeigt. E-Mail-Adresse und IP-Adresse bleiben intern; die IP-Adresse wird nach 30 Tagen gelöscht.

Verwandte Artikel

Impressum · Datenschutz