Sechs Tote in Stade: Ermittler prüfen Rolle zweier Frauen
Drei Monate nach den tödlichen Schüssen in einer Stader Jugendeinrichtung sind Motiv und mögliche Mitwisser weiter Gegenstand der Ermittlungen.
Drei Monate nach den tödlichen Schüssen in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sind zentrale Fragen weiterhin offen. Bei der Tat am 29. Juni starben vier Frauen und zwei Männer. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen, starb jedoch drei Wochen später in Untersuchungshaft.
Fünf Menschen waren noch am Tatort gestorben, ein weiteres Opfer später im Krankenhaus. Drei der Getöteten arbeiteten in der Einrichtung. Drei weitere waren Beschäftigte des Jugendamts der Region Hannover und für ein Gespräch nach Stade gekommen. Eine 32-jährige Mitarbeiterin hinterließ zwei kleine Kinder. Für sie wurden inzwischen mehr als 816.000 Euro gespendet.
Motiv nicht abschließend geklärt
Als möglicher Hintergrund gilt ein Konflikt um das Sorgerecht für die drei Monate alte Tochter des mutmaßlichen Schützen. Das ist nach Angaben der Ermittler bislang nur eine Hypothese. Den Eltern war das Sorgerecht entzogen worden, nachdem bei dem Baby eine Hirnblutung festgestellt worden war. Ärzte vermuteten ein Schütteltrauma. Ein Gutachten zur Ursache soll voraussichtlich Mitte Oktober vorliegen.
Der 45-Jährige wurde nach seiner Flucht festgenommen. Nach Einschätzung der Ermittler nahm er sich später in der Justizvollzugsanstalt Bremervörde das Leben. Weitere Untersuchungen zur Todesursache dauern an. Das niedersächsische Justizministerium sieht bislang keine Hinweise auf Fehler bei der Überwachung des Gefangenen. Angehörige verlangen dennoch eine umfassende Prüfung möglicher Versäumnisse.
Zwei Frauen im Fokus
Die Staatsanwaltschaft prüft weiterhin, ob die Partnerin des Mannes in die Tatplanung eingeweiht war. Auch gegen die Fahrerin des Fluchtautos laufen Ermittlungen. Zu möglichen Tatbeiträgen äußert sich die Behörde bislang nicht.
In Berlin sitzt zudem ein 49-Jähriger in Untersuchungshaft. Er soll dem mutmaßlichen Täter die verwendete Waffe verkauft haben. Das Verfahren gegen den verstorbenen 45-Jährigen wegen sechsfachen Mordes wurde eingestellt, weil gegen Tote kein Strafverfahren geführt werden kann.
Mehr Schutz geplant
Die Region Hannover reagiert mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen. Eingänge des Jugendamts erhalten Video-Gegensprechanlagen. Schwierige Gespräche sollen nahe einem Sicherheitsdienst stattfinden. Geplant sind außerdem ein Pilotprojekt mit Notfalluhren, weitere Alarmsysteme und in Einzelfällen Schutzwesten für Beschäftigte.
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Nordsee-ZeitungKommentare
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