Kolonialismus-Gedenkort in Bremen stößt auf scharfe Kritik
Wolfram Weimers Vorstoß für einen nationalen Erinnerungsort in Bremen sorgt für Streit. Fachleute und Politiker beklagen fehlende Beteiligung.
Der geplante nationale Erinnerungsort zum deutschen Kolonialismus in Bremen sorgt für deutliche Kritik. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat sich auf die Hansestadt als Standort festgelegt. Politiker, Historiker und Aktivisten werfen ihm vor, die Entscheidung ohne ausreichende Abstimmung getroffen zu haben.
Die Kritiker sehen sich von der Debatte ausgeschlossen. Der Umgang mit dem Thema wird teils als überheblich bewertet. Damit gerät neben dem vorgesehenen Standort vor allem das Verfahren in den Mittelpunkt des Streits.
Offene Fragen zur Umsetzung
Weimer will Bremen zum zentralen deutschen Gedenkort für die Kolonialgeschichte machen. Wie konkret das Vorhaben ist und auf welchem Weg es umgesetzt werden soll, bleibt jedoch offen. Bereits zuvor waren Zweifel laut geworden, wie ernsthaft die Pläne verfolgt werden.
Als möglicher Bezugspunkt gilt das 1932 von Bremer Kaufleuten errichtete Elefantendenkmal in einem Park nahe dem Hauptbahnhof. Der zehn Meter hohe Backsteinbau entstand ursprünglich als koloniales Symbol. Heute dient er als antikoloniales Mahnmal.
Streit um Erinnerungskultur
Die Auseinandersetzung betrifft eine Lücke in der deutschen Erinnerungspolitik. Während die Verbrechen des Nationalsozialismus, der Holocaust und das Unrecht in der DDR seit Langem Gegenstand staatlicher Gedenkarbeit sind, fehlt bislang ein zentraler nationaler Ort zur deutschen Kolonialgeschichte.
Mit Weimers Festlegung erhält Bremen eine hervorgehobene Rolle. Die Reaktionen zeigen zugleich, dass Standortwahl und inhaltliche Gestaltung ohne eine breite Beteiligung von Wissenschaft, Politik und zivilgesellschaftlichen Initiativen auf Widerstand stoßen.
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Süddeutsche ZeitungKommentare
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